Gestellt durch Dr. Zachariam Ursinum den 4. Febr.Anno 1566
Die aber den Buchstaben der Worte,die mündliche Nießung der Gläubigen und Gottlosen vertheidigen, sind selbst in diesen Punkten mannigfaltig untereinander uneins.
Denn erstlich, Heßbusius und Andere streiten, man müsse die Worte Christi stracks nach dem Buchstaben ohne alle Erklärung verstehen, also, daß das Brod wesentlich der wahre, natürliche, wesentliche Leib Christi selbst sei.
Dagegen will Illyricus, daß nicht das Brod, sondern dasselbe so mit, oder in, oder unter dem Brod mit der Hand unsichtbarlich dargereichet wird, sind und werden von Christo genannt sein Leib und mit dem Wörtlein Das angezeigt und gemeint.
Zum andern, Paulus Eberus und Nicolaus Selneccer streiten heftig, daß mit dem Wörtlein Das, Christus nichts anders denn das sichtbare Brod und Wein gemeint und seinen Leib und Blut genennet habe.
Dagegen wollen jetzund die württembergischen Theologen, daß mit nichten das Brod und Wein allein, sondern das Brod sammt dem Leib, und der Wein sammt dem Blut, der Leib und das Blut Christi genennt und durch das Wörtlein Das verstanden werden.
Zum Dritten, Paulus Eberus schreibt, daß vor und nach der Nießung nichts, dann Brod allda sei und wolle Christus nicht mit seinem Leibe gegenwärtig sein, außerhalb des Brauchs.
Dagegen wollen die württembergischen Theologen, daß Christus nicht allein diesem sondern auch in allem andern Brod allezeit mit seinem Leibe gegenwärtig sei; der Unterschied aber stehe allein in diesem, daß er in diesem Brod sich zu essen gibt, in anderem aber nicht.
Zum Vierten, Paulus Eberus verwirft und widerlegt noch lang die Ubiquität des Leibes Christi, und disputirt darwider Nicolaus Hemmingius. Deßgleichen verwerfen sie auch Selneccerus, Kemnicius, Mörlinus und der mehrer Theile der evangelischen Theologen und Kirchen.
Es vertheidigen sie aber die Württembergischen Theologen und Marbach.
Zum Fünften, Eberus, Kemnicius, Heßbusius und alle, die in Sachsen die leibliche Gegenwart und die Nießung Christi im Brod vertheidigen, wollen derhalben keinen andern Grund nicht haben, noch suchen, denn allein das Wort Christi: „Das ist mein Leib.“
Dagegen schreiben an vielen Orten Johann Brentius und Jakobus Andreae, da man die Ubiquität nicht setze, könne man die leibliche Gegenwart und mündliche Nießung nicht behaupten. Denn die Worte Christi machen nur einen Unterschied zwischen diesem und anderem Brod, daß nemlich mit diesem der Leib Christi gegessen werde, und mit anderem nicht; daß er aber leiblich in diesem und anderem Brod gegenwärtig sei, und nicht allein geistlich, sondern auch mündlich in und unter dem Brode gegessen werde, müsse man aus dem einigen Grund der Majestät(wie sie die Ubiquität nennen) beweisen und erhalten.
Zum Sechsten, Eberus beweist stark und nach der Länge, daß die öffentlichen Gotteslästerer und Verächter, oder auch epicurische Gleißner, wenn sie zum Abendmahl gehen, nicht den Leib Christi, sondern allein das Brod nießen.
Wider ihn haben mit Namen geschrieben Wigandus, Judex, Museus, welche streiten, daß ohne Unterschied alle Gottlosen, so nur das Brod des Abendmahls nießen, auch den Leib Christi essen.
Zum Siebenten, Eberus, Selneccerus und Andere verdammen die Anbetung oder Verehrung Christi im Brod, als eine schreckliche Abgötterei.
Westphalus und etliche Andere wollen, daß man ihn darinnen anbeten solle.
Quelle: Sudhoff, Karl - C. Olevianus und Z. Ursinus Leben und ausgewählte Schriften